Psychosen

Eine Psychose ist eine schwerwiegende seelische Erkrankung, bei der ein Mensch den Bezug zur Realität verliert. Es treten Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Störungen des Denkens und Störungen der Gefühle auf. Betroffene erkennen nicht, dass sie krank sind und ihre Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, ist oft erheblich beeinträchtigt.

Man unterscheidet Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis (Schizophrenie u. schizoaffektive Störungen), von schweren Manien im Rahmen der manisch-depressiven Erkrankung (Bipolare Störung), von wahnhaft depressiven Erkrankungen und von Psychosen bei körperlichen Erkrankungen wie z. B. Hirntumoren, entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems oder hormonell bedingten Störungen wie z. B. Schilddrüsenerkrankungen, darüber hinaus gibt es auch Psychosen im Alkohol-und Medikamentenentzug oder bei Gebrauch unterschiedlichster Drogen.

Bei Schizophrenen Psychosen gibt es drei Verlaufsformen. 

  • Bei der paranoiden Schizophrenie besteht ein Verfolgungswahn. Der Betroffene ist überzeugt, durch andere Personen oder Mächte beobachtet, bedroht oder heimtückisch traktiert zu werden. Oft bestehen zusätzlich Trugwahrnehmungen, so genannte Halluzinationen. Meistens hören die Betroffenen Stimmen, die ihnen Aufträge erteilen, sie beschimpfen oder ihr Handeln kommentieren. Es gibt Halluzinationen auch auf anderen Sinnesgebieten wie bitterer Geschmack des Essens, was den Betroffenen auf eine Vergiftung schließen lässt oder auch körperliche Fehlwahrnehmungen, z. B. berührt oder bestrahlt zu werden. Beim Blick in den Spiegel kann das Gesicht merkwürdig verzerrt wahrgenommen werden. Es kann die Gewissheit bestehen, dass die Gedanken durch andere beeinflusst und kontrolliert werden. Oft wird in diesem Zusammenhang ein Sender oder Abhörgerät im Kopf oder sonst irgendwo im Körper vermutet. Ausgeprägte Angst mit Rückzugsverhalten und auf dem Höhepunkt der Symptomatik auch schwere Erregtheit sind Folgen der schweren Fehlwahrnehmungen.
  • Mit der Hebephrenen Schizophrenie beschreibt man eine Psychose, die in der Jugend mit einem deutlichen Leistungsknick beginnt. Beeinträchtigt sind hier die Stimmung mit ausgeprägten Schwankungen, begleitet von gestörtem Denken mit bizarren Inhalten und sonderbarem Verhalten. 
  • Bei der Katatonen Schizophrenie finden sich vor allem Störungen der Bewegungsabläufe. Die Betroffenen können eine körperliche Starre (Stupor) oder ausgeprägte Erregungszustände erleben, auf die sie keinen Einfluss mehr haben, was extreme Angst auslöst. Begleitet von Fieber kann ein katatoner Stupor in einen lebensbedrohlichen Zustand münden. 


Die Schizophrenie verläuft schubweise, zumeist mit wiederkehrenden Episoden. Gelegentlich folgt einer akuten Erkrankung eine Depression oder eine sogenannte Minus-Symptomatik mit Beeinträchtigung der Gefühle, der Stimmung und des Antriebs. Frühzeitig behandelt hat die Erkrankung eine bessere Prognose.

Als Schizoaffektive Psychosen werden Krankheitsbilder mit Symptomen einer affektiven (s.u.)und einer schizophrenen Psychose bezeichnet. Die Symptome der beiden Krankheitseinheiten wie Wahn, Halluzinationen, Denkstörungen sowie Störungen des Antriebs und der Stimmung können gleichzeitig oder hintereinander auftreten.

Unter Affektiven Psychosen versteht man die Bipolare affektive Störung (Manisch-Depressive Erkrankung) und die schwere Depression mit psychotischen Symptomen.

Bei einer Bipolaren Störung treten manische oder depressive Symptome in Episoden nacheinander, zeitlich voneinander abgegrenzt, auch in schneller Folge (Rapid Cycling) oder in einer gemischten Symptomatik auf.

Die Manie steht symptomatisch im Gegensatz zur Depression und zeigt sich durch einen ausgeprägten Drang zu Aktivitäten, euphorische Stimmung bis zum Größenwahn sowie Enthemmung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Oft werden Geschäfte getätigt, die den finanziellen Rahmen sprengen. Gesteigertes sexuelles Verlangen führt zu flüchtigen Bekanntschaften oder anderen Menschen wird drastisch die Meinung gesagt ohne Rücksicht auf die Folgen. Das Denken ist beschleunigt mit raschem Wechsel der Inhalte und kann auf dem Höhepunkt der Manie völlig unorganisiert sein, dass ein Betroffener extrem verwirrt wirkt.  In den meisten Fällen besteht bei den Betroffenen weder ein Krankheitsgefühl noch eine Behandlungseinsicht. Hochgradige Erregung und Verworrenheit im Denken führen dann oft erst in die  Behandlung.

Die schwere Depression mit psychotischen Symptomen bezeichnet man ebenfalls als affektive Psychose. Sie kann im Rahmen einer Bipolaren Störung oder auch alleine ohne episodisch auftretende Manie vorkommen. Bei diesen zumeist wiederkehrenden Depressionen spricht man von Rezidivierenden depressiven Episoden. Hier treten neben den üblichen depressiven Symptomen noch psychotische Phänomene wie z. B. Wahn oder Halluzinationen hinzu. Der Wahn und Halluzinationen sind anders als bei der Schizophrenie nicht bizarr sondern erklären sich aus der depressiven Grundstimmung. So findet man bei schwer depressiven Menschen häufig einen Verarmungswahn mit der Überzeugung, völlig verarmt zu sein und für sein alltägliches Leben finanziell nicht mehr aufkommen zu können, was nicht den realen Gegebenheiten entspricht. Bei einem Schuldwahn ist der Betroffene überzeugt, in der Vergangenheit große Schuld auf sich geladen zu haben und jetzt mit der Krankheit dafür büßen zu müssen. Bei dem hypochondrischen Wahn ist der depressive Mensch davon überzeugt, an einer körperlichen Erkrankung oder an einer Demenz zu leiden, obwohl dies nicht der Realität entspricht. Auch können depressive Menschen paranoid sein, sich von anderen beobachtet und beurteilt fühlen, vor dem quälenden, depressiven Grundgefühl nichts mehr zu können und zu bewältigen. Bei schweren Depressionen hören Patienten gelegentlich auch Stimmen, z. B. einer verstorbenen lieben Person, die sie in den Himmel ruft oder auch Stimmen vor dem Hintergrund des Selbstwertverlustes, die entwertende Äußerungen von sich geben.

Bei körperlich begründbaren Psychosen und Psychosen bei Alkohol und anderem Substanzgebrauch führt in erster Linie die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung und die Einstellung des Suchtmittelkonsums zu einem Rückgang der Psychose.

Behandlungsmöglichkeiten